Ein Abend im „Casablanca“ – warum es mehr als nur eine Veranstaltung war
Manchmal wird eine Sponsoring-Entscheidung nicht auf Basis eines Business Cases getroffen, sondern aufgrund echter Verbindungen. So war es auch diesmal. Florian Dahl, Geschäftsführer der AGILE ACADEMY GmbH, kennt die Organisatoren des ProductTank-Meetups in Nürnberg bereits seit einiger Zeit. Dieses Meetup findet weltweit in rund 150 Städten statt. „Ich wurde in den letzten Monaten immer wieder zu den Meetups eingeladen. Das hat viel Spaß gemacht. Ich habe viel gelernt.“
Als die Organisatoren beschlossen, zum ersten Mal auch in Nürnberg am World Product Day teilzunehmen – einem globalen Event, das gleichzeitig in Dutzenden Städten auf der ganzen Welt stattfindet –, war klar: Das soll etwas Besonderes werden. Als Florian gefragt wurde, ob er Sponsoren kenne, war die Antwort einfach: „Ja, kenne ich.“
Die AGILE ACADEMY übernahm gerne das Sponsoring, auch die Miete für den Veranstaltungsraum – und der hatte es in sich.
Ein Kino als Bühne für Produktdenken
Anstelle eines weißen Meetingraums in einem gesichtslosen Gewerbepark diente das Kino Casablanca in Nürnberg als Bühne für das Produktdenken. Mit Bühne, Scheinwerfern, Klavier, Rednerpult und einer riesigen Leinwand. Florian ist dem Casablanca e.V. seit Jahren verbunden – als Besucher, als Fördermitglied und als Unterstützer. „Die dunkle Kinoatmosphäre, in der alle bequem sitzen konnten, hatte nochmal was. Es war eben kein normaler weißer Meetingraum.“
Die Veranstaltung lief – wie der World Product Day weltweit – komplett auf Englisch. Das war kein Problem, denn durch die vorangegangenen Meetups hatte sich in Nürnberg längst eine mehrsprachige Community gebildet. Fränkisch oder nicht: An dem Abend sprachen alle Englisch.
Zwei Speaker, zwei Perspektiven

Den Abend eröffnete Michael Hoffmann von InnoVex mit einem optimistischen Blick auf KI. Er zeigte Videos, die er angeblich innerhalb von fünf Minuten am Vortag produziert hatte. Er gab Tipps zum Prompten und verdeutlichte, was technisch bereits heute möglich ist.
Gleichzeitig ließ er eine Grafik für sich sprechen, die zeigte, wie stark die KI-Wertschöpfung bei einer Handvoll Unternehmen aus dem Silicon Valley konzentriert ist. Kommentiert hat er das kaum. Aber gesehen hat es jeder.
Thorsten Jonas von Sustainable UX, den die AGILE ACADEMY mit Gage und Reisekosten unterstützte, schlug einen anderen Ton an. Als gelernter UX-Designer mit Fokus auf Nachhaltigkeit stellte er unbequeme Fragen. Florian bringt es auf den Punkt: „Er war insgesamt sehr kritisch gegenüber KI eingestellt und hat das mit sehr interessanten Daten und Fakten untermauert.“
Die unbequemen Zahlen hinter der KI
Was Thorsten Jonas präsentierte, war kein Angriff auf die Technologie, sondern eine Einladung zum Nachdenken.
Einige der Punkte, die zum Innehalten brachten:
KI halluziniert mehr, als man denkt. OpenAI soll laut Jonas zugegeben haben, dass in bestimmten Anwendungsfällen bis zu 79 % der Aussagen halluziniert sind.
KI schafft Wert auf Kosten anderer. Für das Training von KI sollen ganze Bibliotheken mit 80 Millionen Büchern verwendet worden sein, ohne dass die Autorinnen und Autoren dafür entschädigt wurden.
KI hat einen echten ökologischen Preis. Rechenzentren benötigen seltene Erden, enorme Mengen Energie und Kühlung und müssen in der Nähe großer Internetknoten stehen, nicht am kühlen Nordkap. Die meisten europäischen Rechenzentren befinden sich in Frankfurt. Und ihr Energiehunger wächst jedes Jahr weiter.
KI hat auch einen menschlichen Preis. Schlecht bezahlte Menschen in abgelegenen Regionen prüfen rund um die Uhr KI-Daten auf schädliche, verstörende Inhalte – und profitieren selbst kaum davon.
Jonas’ Fazit: Würde man alle echten Kosten ehrlich einpreisen, müssten manche KI-Produkte 79 Euro im Monat kosten, statt kostenlos oder für 9 Euro angeboten zu werden. Die Differenz geht irgendwo hin. Auf Kosten der Umwelt. Auf Kosten von Menschen.
Was das mit Produktentwicklung zu tun hat?

Florian zieht eine direkte Linie zum eigentlichen Thema des Abends. Michael Hoffmann hatte einen Framework-Ansatz für den Umgang mit KI in der Produktentwicklung vorgestellt: Zunächst das Problem analysieren, dann klein starten und schließlich skalieren. Dabei ist es wichtig, den Menschen in den Prozess zu integrieren, Vertrauen zu schaffen und kontinuierlich zu validieren. „Das kennt man – der PDCA-Zyklus ist jetzt nichts Neues. Und bei Scrum gibt es immer wieder Reviews und Retrospektiven. Aber es ist gut, das noch einmal im KI-Kontext zu sehen.“
Thorsten Jonas ergänzt dies mit einem kostenlosen Canvas von seiner Homepage (True Price of AI), der dabei hilft, sich die folgenden Fragen zu stellen: Für welches Problem brauche ich überhaupt eine KI – und brauche ich überhaupt eine?
Am Ende stellten beide Speaker dieselbe Frage: Braucht es wirklich immer KI?
Agilität – eine direkte Antwort auf den KI-Hype
Für Florian war der Abend auch eine Bestätigung. Agilität ist keine Reaktion auf KI, sondern eine Antwort auf alles, was sich verändert.
„Du kannst das alles nicht richtig nutzen, wenn du nicht das richtige Mindset hast.“ Und Mindset bedeutet für ihn wertebasiertes Denken. Die Welt ist schließlich mehr als ein paar Dutzend Entscheidungsträger in Kalifornien. Veränderung braucht Orientierung – und Orientierung braucht Werte.
Welches Wertepaar aus dem Agilen Manifest ist sein Lieblingswertepaar? „Umgang mit Veränderung ist wichtiger als Befolgen eines Plans.“ Das klingt fast wie eine direkte Antwort auf den KI-Hype.

Was wir mitnehmen – für uns und für unsere Kundinnen und Kunden
„Wir müssen unseren Kundinnen und Kunden klarmachen: Sie müssen selbst denken. Ihr solltet andere Quellen prüfen und euch nicht nur auf ein Tool verlassen. Blindes Vertrauen in jedes neue Werkzeug war schon immer ein Problem. Ganz egal, ob Jira, Teams oder das neueste Large Language Model.“
Wenn man an die „Agile Onion“ denkt, dann liegen die Werte ganz innen. Sie sind nicht das Sichtbarste. Aber sie haben den größten Einfluss. Und genau das, sagt Florian, will die AGILE ACADEMY stärken: kritisches Denken, eigenständiges Urteilen und die Fähigkeit, zu fragen, ob ein Tool das richtige ist, bevor man sich damit beschäftigt, wie man es nutzt.
